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Haben Sie Lust auf eine Zeitreise? Dann steigen Sie ein, kommen Sie mit auf eine kleine Tour durch das Dampfkornbranntweinbrennereimuseum in Wildeshausen. Unser Ziel: die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Zeit, in der die Dampfmaschine in den Industriebetrieben Deutschlands das Tempo vorgab. Auch beim Produzieren von Schnaps. Die
Arbeit des Menschen hatte damals eine andere Qualität als heute: Sie war
härter, erstreckte sich auf
alle Wochentage – und war gefährlicher. Mit Bedacht hatte die Brennerfamilie
Kolloge den größten Risikofaktor in einem Anbau zum unbesiedelten Huntebereich
hin untergebracht: das Kesselhaus. Denn man wusste um die große Explosionsgefahr.
Weil unter den Heizern so viele Opfer zu beklagen waren, war in Deutschland
1866 ein Dampfkessel-Überwachungsverein gegründet worden (heute: der TÜV).
Doch der Wildeshauser Kessel hielt. Zweimal wurde er erneuert (1887, 1913).
Bis zu zwölf Atmosphären
Überdruck (ATÜ) wurden aus dem angelieferten Koks gezogen.
Der Druck des Kessels brachte das Herzstück des verwinkelten Hauses in Schwung – eine Einkolbendampfmaschine mit Fliehkraftregulator. Was ihr Alter angeht, tappen wir im Dunkeln. Sicher ist: Ab 1895 wurde die noch heute laufende Dampfmaschine von der Firma Wehrhahn (Delmenhorst) gewartet. Mit 15 PS trieb sie – über eine Transmission und eine zentrale Welle sowie Nebenwellen – einst die Maschinen auf allen fünf Etagen an.
Die meiste Kraft, nämlich bis zu 11 PS, schluckte die Getreidemühle. Das gute Stück schaffte mehr als 130 Umdrehungen pro Minute – und mehr als 600 Kilogramm Feinschrot pro Stunde. Vorbei am Mühlengalgen, am dampfbetriebenen Lastenfahrstuhl, am konischen Henzedämpfer, am breiten Maischebottich und an dampfbetriebenen Gerstequetschen erreichen wir zwei gedrungene Kammern mit ganz unterschiedlichem Nutzungszweck: Hinter der dicken Tür wurde hier Hefe gezüchtet – hinter der dünnen Tür mit neuen Geschmacksrichtungen experimentiert. Ein bisschen vom früheren Geruch ist unten bei den alten Eichenfässern im Gewölbekeller noch zu riechen. Mit Handdruck wurde hier Flasche für Flasche abgefüllt, dann per Muskelkraft mit der schweren „Original Hassia“ verkorkt und schließlich mit Hilfe des Anleimers etikettiert. Drei Geschosse weiter oben, auf dem gemütlichen Kornboden, sind wir wieder in der Gegenwart angekommen. In einer Galerie erinnern Bilder an vergangene Ästhetik. Da ist sie wieder, die schnaufende, kraftvolle und doch so faszinierend schöne Dampfmaschine. |